Der Beginn
1978, ich war gerade 19 Jahre alt
geworden, hatte meine Ausbildung zum Tischler
abgeschlossen, trat ein leichtes Ziehen in der
linken Gesäßhälfte auf. Diese Beschwerden
wurden innerhalb von drei Tagen so heftig, dass
es mir nicht mehr möglich war, selbst Auto
zufahren. Einen Tag weiter konnte ich aufgrund
der starken Schmerzen nicht mehr laufen. Selbst
der Gang zur Toilette mit 2 Unterarmstützen,
meinem Vater, der vor mir, und meinem Onkel, der
hinter mir ging, dauerte mindestens eine halbe
Stunde bei einer Wegstrecke von ca. 20 m.
Der herbei gerufene Hausarzt gab dann die
Empfehlung: Nehmen Sie Aspirin bis Ihnen
schlecht wird. Es hat nicht geholfen. Über
das Wochenende trat auch keine Besserung ein und
so wurde ich in die Klinik eingewiesen.
Auch da traf ich auf, in meinen Augen, überforderte
Ärzte, die verschiedenste Untersuchungen
anstellten. Trotzdem, oder deswegen(?), waren die
Schmerzen irgendwann weg und ich wurde nach 3
Wochen Krankenhaus entlassen.
Die Geschichte war schon fast vergessen als es
ein halbes Jahr später erneut los ging. Dieses
Mal waren die Schmerzen jedoch nicht ganz so
heftig, reichten aber für einen erneuten 3-4 wöchigen
Krankenhausaufenthalt mit allen möglichen
Untersuchungen. Als Ergebnis wurde mir dann
mitgeteilt, dass ich meinen erlernten Beruf nicht
weiter ausüben könnte. Leider habe ich die
Diagnose vergessen, wäre aber sicher im
nachhinein interessant gewesen.
Daraufhin habe ich mich um eine Umschulung bemüht.
Im Spätsommer 1979 wurde mir noch eine Kur
verordnet, die ich in Bad Eilsen antrat. Die
Anwendungen waren nicht sehr intensiv und eher
sparsam ausgelegt. Sie bestanden darin, dass ich
an einem Tag ein Schwefelbad und am
darauffolgenden Tag ein Moorbad und eine Massage
bekam. Die Kur war für 4 Wochen bewilligt und
wurde dann um 2 Wochen verlängert. Als damals
noch sehr unterwürfiger Patient nahm ich auch
das hin.
In der Anfangszeit der Krankheit ging ich auch
von einem Spezialisten zum Nächsten und bekam
verschiedene Diagnosen geboten oder auch von
einem Orthopäden einfach nur gesagt: An so
was laboriert man nicht ewig rum. Der hat
mich übrigens nicht wiedergesehen.
1981 begann ich meine
Umschulung zum Bauzeichner und Teilkonstrukteur
im Berufsförderungswerk Heidelberg. Anfang 1982
hatte ich wiedermal Schmerzen und ging dort zu
einem Orthopäden.
Am Ende der Untersuchung bekam ich eine neue
Diagnose:
Morbus Bechterew.
Aus heutiger Sicht weiß ich, dass der Zeitraum
von 4 Jahren bis zur richtigen Diagnose ein eher
kurzer ist.
In den nächsten Jahren traten immer wieder Schübe
auf und die dem Bechterew eigene Krümmung trat
nach und nach ein.
Ob die Entscheidung zu einer Umschulung richtig
war kann leider niemand beantworten. Ich denke in
den letzten Jahren vermehrt darüber nach und
frage mich, wie der Verlauf gewesen wäre, wenn
ich weiter als Tischler gearbeitet hätte oder
zumindest einer Tätigkeit nachgegangen wäre,
bei der eine abwechselnde Körperhaltung gegeben
gewesen wäre.
In den ganzen Jahren machte ich natürlich regelmäßig
mindestens 2mal in der Woche Krankengymnastik.
Auch einer örtlichen Morbus Bechterew Gruppe
schloss ich mich an.
Allerdings hatte ich Schwierigkeiten, den Sinn
dieser ganzen Gymnastik zu erkennen, wo doch der
körperliche Zustand sich trotzdem zunehmend
verschlechterte.
Die erste Heilstollenkur 1987 in Bad Gastein
brachte mir keine wesentliche Linderung. Dennoch
fuhren wir 1989 ein zweites Mal nach Bad Gastein.
Allerdings war diesmal die Reaktion meines Körpers
ziemlich negativ. Die ständigen Entzündungen in
der linken Hüfte wurden derart verstärkt, das
ich gezwungen war an Stützen zu gehen.
Ende ´96, Anfang ´97 bauten wir ein Haus, bei
dem auch einige Eigenleistungen zu erbringen
waren. In dieser Zeit der körperlichen Tätigkeit
ging es mir gesundheitlich im Großen und Ganzen
sehr gut. Daher kann ich nur Allen raten, sich
nach Möglichkeit eine Beschäftigung oder ein
Hobby zu suchen, bei dem Bewegung gefordert ist.
Allerdings sollte man auch akzeptieren können
dass man nicht so schnell und beweglich ist wie
ein gesunder Mensch. Des weiteren darf man sich
auch nicht davor scheuen, bei manchen körperlich
schweren Arbeiten einen netten Nachbarn, Freund
oder Verwandten um Hilfe zu bitten.
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